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Tabakfabrik Fürstenfeld Fürstenfeld

Fürstenfeld
Fabriksgasse 1, 8280 Fürstenfeld
Bauherr: Ohnewein

In Ungarn und in den Ländereien um Fürstenfeld wurde Ende des 17. Jahrhunderts Tabak angebaut, der im „Schloss am Stein“ in Fürstenfeld verarbeitet wurde – in einer der ersten Tabakfabriken der Welt. Bis in die 1950er-Jahre war sie der wichtigste Arbeitgeber der Stadt, zugänglich lediglich für Mitarbeiter des Unternehmens. Für alle anderen war die Tabakfabrik vor allem ein Ort, der Neugierde weckte. So auch für den Architekten Friedrich Ohnewein, der mit seiner Convalo-Gruppe heute Eigentümer ist.

Nach Schließung der Fabrik im Jahr 2005 erwarb zunächst die Gemeinde Fürstenfeld das Gelände – es gab Pläne für ein Japan-Museum –, doch dann verkaufte die Stadt die Tabakfabrik an ein Konsortium, das aus dem Areal ein Einkaufszentrum machen wollte. Letztlich kam es in den Besitz von Architekt Ohnewein, der mit seinem Plan überzeugte: Er wollte das ganze Areal entwickeln und nicht nur einzelne Gebäude sanieren. Der ursprüngliche Gedanke, eine Rehabilitationseinrichtung unterzubringen, um damit auch die Innenstadt zu beleben, scheiterte nach intensiven Vorarbeiten und zähen Vorverhandlungen. Schweren Herzens ließ man von der Reha-Idee ab, dass aber das künftige Areal dennoch einzigartig werden würde, war Architekt Ohnewein von Anfang an klar. Der nunmehrige Zweck ist der ursprünglichen Idee verwandt: Im Hauptgebäude der Tabakfabrik ist im Erdgeschoßbereich ein Ärztezentrum untergebracht. In den oberen Stockwerken und in den beiden Nebengebäuden befinden sich Wohnungen.

Der Spatenstich für den Umbau des ersten Hauses, genannt „Zigarre“, war im August 2013. Es war Eile geboten, denn das Gebäude war im Umbau steckengeblieben, hatte keine Fenster und hätte durch den Winter Schaden genommen. Im Oktober 2015 startete man mit dem Umbau der „Altesse“. Am aufwändigsten war der Rückbau des Hauptgebäudes in der Fabrikgasse 1, womit im Dezember 2016 begonnen wurde. Den Rückbau von der industriellen Nutzung zum neuen Verwendungszweck beschreibt Architekt Ohnewein als größte Herausforderung, auch wenn die Industriearchitektur aus der Monarchie genügend Flexibilität geboten habe, die hallenartigen Geschoße von der Grundsubstanz gut zum Umnutzen und der Gesamtzustand nach 240 Jahren noch erstaunlich gut gewesen sei, erinnert sich Ohnewein. Der Rückbau betraf vor allem den Innenhof, Herzstück des Areals, über den sich ein Flachdach spannte, welches entfernt wurde und historische Bausubstanz – etwa den Arkadengang mit seinen Natursteinquadern – freilegte. Der Innenhof wurde begrünt. Die Maschinen für die Zigarettenproduktion gingen nach Glasgow, bis auf eine, die sich Architekt Ohnewein als Erinnerung behalten hat.

2019 konnte das gesamte Areal mit acht Fachärzten, medizinischen Dienstleistern und 82 Wohnungen  feierlich eröffnet werden. Architekt Ohnewein pflegte bei den Umbau- und Restaurationsarbeiten eine enge und gute Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt, immerhin handelt es sich bei der Tabakfabrik um ein Industriedenkmal. Mit den Vorschriften der Förderpartner ging der Architekt konform, „schließlich muss man einem Gebäude, das doch etwas älter ist als man selbst, Respekt entgegenbringen“, betont er schmunzelnd. Gefördert hat das Projekt das Land Steiermark über die umfassende Altbausanierung für geförderten, leistbaren und hochwertigen Wohnraum. Zur Landesförderung floss viel eigenes Geld „und Liebe“, wie Architekt Ohnewein betont. Die Stadtgemeinde hat die Verkehrsinfrastruktur gefördert, im Gegenzug hat Architekt Ohnewein Wege an die Stadt abgetreten und das gesamte Areal geöffnet. Als 4. Bauabschnitt ist noch die Sanierung und Revitalisierung der Bastei in Ausarbeitung  

Aus der einst abgeschlossenen Tabakfabrik ist nun ein für die Öffentlichkeit zugänglicher neuer Stadtteil entstanden, ein Begegnungsort für alle. •

 

Fotos: © Marija Kanizaj