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Als die Gemeinde Wenigzell beschlossen hatte, das frühere Gasthaus Almer in Wohnraum umzubauen, gab es noch Bedenken: Wer würde sich in einer Gemeinde mit knapp 1.400 Einwohnern eine Wohnung mieten?, erzählt Bürgermeister Herbert Berger. Ursprünglich waren 15 Wohnungen geplant, allerdings hat der „Wohnbautisch“ entschieden, dass ein Lift einzubauen sei. 14 Wohnungen wurden letztlich realisiert, und hier zeigte sich die Behördenvorschrift als Segen, denn der neue Wohnraum erwies sich als beliebt nicht nur bei jungen, sondern auch bei älteren Menschen. Im zweiten Obergeschoß sind drei Damen über 75 Jahre eingezogen.
Das Gemeindeamt und das Gasthaus Almer sind seit jeher miteinander verbunden – sogar unterirdisch, der Kultursaal wurde gemeinschaftlich genutzt. Als das Gasthaus zusperrte, wurde es zunächst als Verein weitergeführt und 2014 verkauft. Mehrere Jahre waren dort Asylwerber untergebracht. Der 2015 neu gewählte Gemeinderat sah Bedarf an neuem Wohnraum, in erster Linie fehlten Baugründe. Einige waren bereits mehrere Jahrzehnte zuvor verkauft, aber niemals bebaut worden. „Dann stagnierte die Bauwirtschaft, und die wenigen verfügbaren Bauplätze waren sehr teuer“, sagt Bürgermeister Berger. 2018 konnte die Gemeinde ein größeres Grundstück erwerben, aus dem Projekt „Almergründe“ kamen für Einheimische zehn erschlossene und günstigere Baugründe auf den Markt. Dennoch war die Nachfrage nach neuem Wohnraum nicht befriedigt, dieses Problem sollte das Gasthaus Almer lösen. Mitte 2018 wurde das Gebäude gekauft und mit der Planung für den Umbau begonnen.
Das Objekt liegt zentral in Wenigzell, gleich vis-à-vis vom Nahversorger-Supermarkt. Die Finanzierung der 14 Wohnungen mit einer Wohnfläche zwischen 45 und 75 Quadratmetern erfolgte zu 70 Prozent über Förderungen und Darlehen des Landes Steiermark – die Liegenschaft wurde über das Modell der Ortskernbelebung erworben, der Wohnungsbau erfolgte im Rahmen einer umfassenden Sanierung. Mit der Landesförderung ist die Auflage verbunden, den Mietpreis zu deckeln, was für die neuen Mieter günstigeres Wohnen bedeutet. Der Kostenplan konnte weitgehend eingehalten werden; aus statischen Gründen musste lediglich eine Betondecke eingezogen werden. Bei der Ausstattung, die über den im sozialen Wohnbau geltenden Standards liegt, ließ man „Hausverstand“ einfließen, sagt Herbert Berger schmunzelnd. So verfügen die separaten WCs über Waschbecken: „Bei uns gehen Vereine von Haus zu Haus, etwa um Karten für einen Ball zu verkaufen. Hier und dort gibt es ein Stamperl, und dann ist man froh, wenn man sich auf einem fremden WC die Hände waschen kann“, erklärt der Bürgermeister. Auch bei den Böden entschied man sich für robustere und hochwertigere Qualitäten.
Die Ausschreibungen wurden so gestaltet, dass weitgehend regionale Firmen zum Zug kamen, was sich als großer Vorteil bei der Einhaltung des Zeitplans zeigte, betont Berger. Obwohl das örtliche Bauunternehmen während der Fertigstellung in Konkurs ging, konnten die Wohnungen pünktlich übergeben werden. Insgesamt betrug die Bauzeit nur ein Jahr, mit der Planungs- und Einreichtungsphase waren es zwei Jahre. Mitte 2020 wurden die ersten Wohnungen bezogen, der letzte Mietvertrag wurde im Februar 2021 unterzeichnet. Viele der neuen Mieter kamen von außerhalb, betont Bürgermeister Berger. Was kein Nachteil ist: Immerhin erhält die Gemeinde über den Finanzausgleich für jeden neuen Bürger mehr Geld. Zudem unterstützen diese neuen Bewohner die lokalen Wirtschaftsbetriebe, konsumieren bei den Wirten, nutzen das Hallenbad und halten den Ort am Leben. Für die ehemalige Abwanderungsgemeinde bedeutet das heute eine annähernd gleichbleibende Einwohnerzahl.
Fotos © Luef Light
Bürgermeister