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Ottendorf

In Ottendorf an der Rittschein hat eine Dorfgemeinschaft das alte Pfarrheim renoviert und zu neuem Leben erweckt. Ein Neubau wäre finanziell nicht möglich gewesen.

Wozu eine knapp 1.700 Einwohner zählende Gemeinde fähig ist, zeigt Ottendorf an der Rittschein im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld. Unter anderem mit tatkräftiger Unterstützung vieler Gemeindemitglieder wurde letztes Jahr das in einem geschichtsträchtigen Haus untergebrachte Pfarrheim wiederbelebt. 1.447 freiwillige Helferstunden hat der Gemeindebedienstete Herbert Maierhofer im Baubericht des neuen Pfarrheims notiert. Manche halfen beim Abschlagen des Putzes, andere versorgten die Bauarbeiter mit Speis und Trank. Wer keine Arbeitsleistung oder Naturalien beitragen konnte, leistete einen finanziellen Obolus. In gemeinschaftlicher Mission entstand so neuer Raum für Gemeinsames. Seit der Fertigstellung des Pfarrheims im Jahr 2025 haben 20 verschiedene Vereine oder Gruppen die Räumlichkeiten genutzt.

Ob es überhaupt zu einer Renovierung kommen würde, war lange Zeit nicht klar. Das Haus sei in einem sehr schlechten Zustand gewesen, erzählen der Bauhofleiter der Gemeinde Ottendorf an der Rittschein, Herbert Maierhofer, und Pfarrgemeinderat Anton Teuschler. Weil vor 25 Jahren in ein neues Dach investiert wurde, hatten sich Mauerschäden und andere negative Auswirkungen in Grenzen gehalten. Vor rund drei Jahren beschloss der Pfarrgemeinderat zu versuchen, das Gebäude durch Einbringen von Nirosta-Wellplatten trockenzulegen, um zu sehen, ob eine Renovierung überhaupt durchführbar sei. „Ein Neubau kam aus finanziellen Gründen nicht infrage“, erzählt Maierhofer. Abgesehen davon wäre es schade gewesen um das Haus mit langer Geschichte, von dem Teile bereits Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet wurden, um Stallungen und Lagerräume unterzubringen, und das um 1900 teilweise abgebrannt war. Die südlich gelegenen Stallungen wurden Mitte der 1960er-Jahre zu einem Pfarrheim umgebaut, der nördliche, der Sonne abgewandte Teil war lange Zeit ungenutzt und in sehr schlechtem Zustand, sagen Maierhofer und Teuschler. Das Gebäude war im Winter kaum beheizbar und zudem feucht, die Sanitäranlagen waren desolat. Doch die Prüfung der Bausubstanz ergab letzten Endes: Es kann mit der Renovierung begonnen werden.

Zuvor machte sich Anton Teuschler daran, die benötigten Mittel einzusammeln. Die Entscheidung zur Renovierung fiel in eine Zeit guter Fördermöglichkeiten, einerseits vonseiten der Diözese, zudem konnten andererseits finanzielle Mittel aus dem Topf der Ortskernstärkung lukriert werden, eine damals junge Förderung, die von Land, Bund und EU aufgestellt worden war. Der schwierigste Teil daran war die korrekte Erstellung der Förderansuchen und dabei erfuhren sie tatkräftige Unterstützung seitens der Gemeinde und der Diözese.

Im Pfarrgemeinderat wurden Wünsche für eine künftige Nutzung eingebracht und Lösungen erarbeitet, ein Mitglied der Pfarre übernahm zu einem günstigen Preis den planerischen Prozess bis zum fertigen Einreichplan. Weil Herbert Maierhofer und Anton Teuschler vieles bis ins Detail vorbereitet hatten, gingen auch die Genehmigungen rasch über die Bühne, und Betriebe aus der Region konnten, unterstützt von einem Heer an Freiwilligen aus der Gemeinde, mit den Arbeiten beginnen. Mit der detailreichen Vorarbeit waren die größten Hürden und Sollbruchstellen bekannt – vor allem das Mauerwerk im nördlichen Teil –, sodass sich auch bei den tatsächlichen Renovierungsarbeiten nur wenig Unvorhergesehenes zeigte. „Natürlich braucht es dazu Leute, die sich mit altem Gemäuer auskennen. Das war bei den Firmen, die für uns tätig waren, auch der Fall“, sagt Herbert Maierhofer. Der Pfarrgemeinderat machte sich zudem auf die Suche nach weiteren Nutzungsmöglichkeiten. Mit sieben Vereinen und Gruppen der Gemeinde gibt es Kooperationsvereinbarungen zur Nutzung des Pfarrheimes, unter anderem mit der Jägerschaft, dem Bauernbund, dem Kameradschaftsbund oder der Theatergruppe. Die Feuerwehr und andere Einrichtungen lagern dort Gerätschaften, Geburtstage und auch eine Hochzeit wurden gefeiert. „Wir geben auch Trauergemeinschaften die Möglichkeit, in den Räumlichkeiten ein letztes Mal im Gedenken an den Verstorbenen zusammenzusitzen“, sagt Anton Teuschler.

Die Dorfgemeinschaft freut sich nun über ein renoviertes Pfarrheim mit Fußbodenheizung, die Wärme kommt aus dem Heizwerk der Region. Fenster und Türen wurden saniert, im Saal sorgt eine große Schiebetür dafür, dass die Natur ein Stück weit in den Raum rücken darf. Das alte Stallgewölbe konnte freigelegt werden, zwei Künstlerinnen vor Ort gestalteten den Saal und das Foyer mit eigenen Gemälden. „Wir sind gut im Budgetplan geblieben und konnten sogar eine PV-Anlage aufs Dach bringen“, sagt Anton Teuschler.

 

Fotos © Luef Light

Link zur Gemeinde

https://ottendorf.at