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Knittelfeld

Wenn ein Bündel an Maßnahmen die Wirkung vervielfacht: Das ehemalige City-Kaufhaus auf dem Hauptplatz von Knittelfeld hat sich vom Schandfleck zum Vorzeigeprojekt gemausert, drumherum passiert noch mehr.

Das Gebäude am Knittelfelder Hauptplatz 1 hat eine wechselvolle Geschichte. Errichtet ab 1975 von der Knittelfelder Kaufmannsfamilie Fink, wurde es bis 1990 als Großkaufhaus betrieben. Es folgten diverse Geschäfte und Cafés, seit 1995 schon standen das zweite und dritte Obergeschoss allerdings leer. Mit steigendem Sanierungsbedarf sank die Attraktivität des Gebäudes mehr und mehr. Vom Glanz der früheren Top-Einkaufsadresse war wenig übrig, das einst moderne Kaufhaus wurde zu einem Symbol für die Herausforderungen des innerstädtischen Strukturwandels. 2018 markierte einen Wendepunkt: Eine Weizer Investorengruppe sanierte und modernisierte das Objekt im umfassenden Rahmen. Es entstanden insgesamt 26 Mietwohnungen in der Größenordnung zwischen 50 und 90 Quadratmetern, die sowohl Singles als auch Paaren, Familien und älteren Menschen attraktive Wohnmöglichkeiten bieten sollen. Ergänzt wird das Angebot durch Büroflächen und weitere Geschäftsnutzungen im Erdgeschoss, im Keller hat man eine Tiefgarage eingerichtet. Damit hat nicht nur für eines der markantesten Gebäude Knittelfelds ein neues Kapitel begonnen, unterstreicht Bürgermeister Harald Bergmann.

Aufenthaltsqualität
Für das neue Gesicht des Hauses am Hauptplatz zeichnete die Interplan ZT GmbH unter der Geschäftsführung des aus Knittelfeld stammenden Architekten Günter Reissner verantwortlich, mit der Investorengruppe hatte er ein umfassendes Sanierungs- und Nutzungskonzept entwickelt: „Unser Ziel war es, ein Gebäude mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen, das sich harmonisch in das Stadtbild einfügt und gleichzeitig modernen Wohn- und Arbeitsansprüchen gerecht wird.“ Das Objekt wurde barrierefrei erschlossen, durch einen Zu- und Umbau des 4. Obergeschosses entstanden drei Penthouse-Wohnungen mit großzügigen Terrassen, die einen weiten Blick über die Stadt und die umliegende Region eröffnen.  Die Stahlbetonkonstruktion des Untergeschosses, des Treppen- und Liftturms sowie die Skelettkonstruktion des Kaufhauses wurden erhalten. „Für die neue Nutzung bot die bestehende Stahlbeton-Skelettkonstruktion eine hervorragende Grundlage. Durch ihren Erhalt konnten wertvolle Ressourcen eingespart und große Mengen an Baumaterial wiederverwendet werden“, so Reissner. Auf dieser Basis entstand eine moderne Gebäudehülle mit großzügigen Fensterflächen und einer offeneren Gestaltung zum Hauptplatz hin. 

Laufende Entwicklung
Das Projekt verbindet den Erhalt bestehender Bausubstanz mit zeitgemäßen Wohn- und Nutzungskonzepten und trägt dazu bei, die Innenstadt langfristig als lebendigen Lebens- und Wirtschaftsraum zu stärken. „Es war ein bedeutender Meilenstein für die Entwicklung unserer Innenstadt. Neuer Wohnraum wurde geschaffen, der Hauptplatz belebt“, unterstreicht Bürgermeister Harald Bergmann. Es sollte nicht die einzige Maßnahme rund um den Ortskern sein: „Die Neugestaltung der Innenstadt ist noch nicht abgeschlossen, sie stellt weitere wichtige Schritte zur Attraktivierung des Zentrums dar.“ Amra Haller von der Stadtentwicklung betont, dass es ein enges Netzwerk von Menschen gibt, die sich aktiv darum kümmern, Leerstände zu bekämpfen und neue Betriebe in die Stadt zu holen. Sobald jemand im Netzwerk von einer Idee oder einem potenziellen Projekt erfährt, werde die betreffende Person „an die Hand genommen und professionell begleitet“. Dieser persönliche Zugang sei entscheidend, um Betriebe erfolgreich anzusiedeln und zu begleiten.

Broken-Window-Prinzip
Man müsse sich zunehmend von klassischen Großhandelsstrukturen verabschieden und neue Modelle des Wirtschaftens denken. Gleichzeitig zeige sich, dass Banken, Apotheken, Arztpraxen sowie Gastronomie- und Dienstleistungsbetriebe weiterhin gut in der Innenstadt funktionierten, so Bergmann. Haller hebt hervor, dass persönliche Betreuung, schnelle Entscheidungen und Flexibilität zentrale Erfolgsfaktoren sind. Leerstände werden laufend analysiert. Auch das sogenannte Broken-Window-Prinzip spiele eine Rolle: Sichtbare Vernachlässigung wird vermieden, Schmutz rasch entfernt und Schäden werden schnell behoben. Zur Belebung der Innenstadt setzt man in Knittelfeld darüber hinaus auf Veranstaltungen und kreative Formate, auf dem Hauptplatz sorgten so heuer bereits DTM-Autos für Aufmerksamkeit. Kultur- und Vereinsschaufenster ermöglichen es Kulturschaffenden, sich im Rahmen eines Schaufensterbummels zu präsentieren. Blumenschmuck ziert die Umgebung, der wöchentliche Bauernmarkt gilt als wichtiger Frequenzbringer für die Innenstadt. Weitere, auch private Projekte wie die Sanierung eines Gebäudes im vergangenen Jahr halten die Entwicklung jedenfalls in Bewegung.

 

© Luef Light
©  Interplan ZT GmbH und Paul Frick
© Interplan ZT GmbH und Zenger Planungs GmbH
© Patrick Neves
© Stadtgemeinde Knittelfeld

Link zur Gemeinde

https://knittelfeld.gv.at

Bürgermeister

DI (FH) Harald Bergmann