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Peggau

Mitten in Peggau wurde ein denkmalgeschütztes Gebäudeensemble zu neuem Leben erweckt: Der ehemalige Vorauer Stiftshof, auch als „Fellinger-Schlössl“ bekannt, dient jetzt als zeitgemäßer Wohnraum.

Die Ursprünge des Anwesens in Peggau reichen mehrere Jahrhunderte zurück. Bereits im 16. Jahrhundert wird das Gebäude als „Schoberhof“ erwähnt, später war es auch als „Frölichgut“ bekannt. Seinen bis heute geläufigen Namen „Fellinger-Schlössl“ erhielt das Anwesen durch Johann Georg Fellinger, der es im späten 18. Jahrhundert besaß – allerdings nur ein Jahrzehnt lang. Seit 1804 befindet sich der Gutshof im Eigentum des Stiftes Vorau. Nach dem Ankauf ließ das Stift das damalige Gebäude abtragen und in den Jahren 1805 und 1806 das heute noch bestehende Herrschaftshaus errichten. Über mehr als zwei Jahrhunderte diente der Vorauer Stiftshof als Verwaltungssitz der stiftischen Besitzungen in Peggau. Als eines der ältesten Bauwerke der Marktgemeinde steht das Ensemble heute unter Denkmalschutz. Umso größer war die Verantwortung, als die Zukunft des Gebäudekomplexes neu gedacht werden musste.

Vom Leerstand zur Zukunftsvision
Als Christoph Geier 2021 seine Tätigkeit für das Stift Vorau aufnahm, stand eine grundlegende Entscheidung an. Zahlreiche Flächen waren ungenutzt, große Bereiche standen leer. „Die Wirtschaftsgebäude dienten zuletzt hauptsächlich als Lagerraum. Fassaden und Teile des Gutshofs waren sanierungsbedürftig“, erinnert sich der Stiftsverwalter. Die zentrale Frage lautete: verkaufen oder investieren? Für das Stift war die Antwort letztlich auch eine Frage der Verantwortung, historische Bauten zu bewahren und zugleich weiterzuentwickeln. „Wenn man in die Geschichte blickt, hat es einem meistens leidgetan, etwas verkauft zu haben. Deshalb wollten wir prüfen, ob wir diesem Ensemble eine neue Zukunft geben können“, sagt Geier. Hinzu kam die gute Lage Peggaus im Einzugsgebiet von Graz. Man ging davon aus, dass die Nachfrage nach Wohnraum vorhanden sei – eine Einschätzung, die sich bestätigte. Vor Bauende waren bereits alle Wohnungen vermietet. Der Gutshof selbst und die beiden vorgelagerten Wirtschaftsgebäude werden heute bis auf eine Bürofläche der Forstverwaltung im Erdgeschoss des Hauptgebäudes ausschließlich für Wohnzwecke genutzt. Die Anlage umfasst insgesamt 23 Wohnungen. Rund 1.600 Quadratmeter vermietbare Nutzfläche wurden umfassend saniert. Das Projekt schätzt auch Bürgermeister Christoph Pirstinger: „Da ist etwas wirklich Schönes entstanden. Es freut mich besonders, wenn in leerstehenden Gebäuden neue Wohnmöglichkeiten geschaffen werden.“ 

Substanz bewahren
Das Konzept, das den Bestand respektiert und gleichzeitig modernen Wohnraum schafft, wurde gemeinsam mit dem Grazer Büro Werkform Architektur entwickelt: „Der wesentliche Aspekt der Planung und architektonischen Gestaltung war die Erhaltung des Grundcharakters der Gebäude in ihren Texturen aller Oberflächen, trotz Erneuerung aller technischen Einbauten“, beschreibt es Architekt René Philipp Präsoll. Eine enge Zusammenarbeit gab es auch mit dem Bundesdenkmalamt. Dabei wurden Lösungen und Kompromisse entwickelt – etwa um Elemente wie Ziegelgitterfenster zu bewahren, welche die historische Nutzung als landwirtschaftliches Gebäude dokumentieren. „Die Zusammenarbeit war eine echte Bereicherung. Viele Ideen haben dazu beigetragen, die Geschichte der Anlage sichtbar zu lassen“, sagt Geier. In seinem äußeren Erscheinungsbild wurde das Gebäudeensemble nicht verändert. Für die zeitgemäße Wohnnutzung wurden aber Elemente wie Terrassen, Balkone und Eingangsüberdachungen hinzugefügt. „Neu errichtet wurden Carports und überdachte Fahrradabstellplätze, die sich den Bestandsgebäuden optisch unterordnen“, so Präsoll. Dächer, Fenster, Fassaden und Haustechnik wurden auf den heutigen Stand gebracht, ohne die Identität des Ensembles zu beeinträchtigen. Gewölbe, Rundbögen und Treppen blieben erhalten und prägen weiterhin die Atmosphäre.

Umdenken
Die Sanierung historischer Gebäude bringt immer Überraschungen mit sich. „Alte Gebäude wehren sich oft und man findet häufig neue Situationen vor, mit denen man nicht gerechnet hat. Man muss umdenken und reagieren, aber trotzdem darf man den Qualitätsanspruch nicht verlieren. Oft ist einfach nur Respekt und Unterordnung gefragt. Es gilt auch, alle anderen Projektbeteiligten zu überzeugen, dass der schwerere Weg doch der bessere ist. Das macht die Arbeit an Altsubstanz aber auch so spannend“, unterstreicht Präsoll. Wo möglich, wurden bestehende Materialien wiederverwendet. Holzkonstruktionen fanden erneut Verwendung, traditionelle Kalktechniken kamen bei der Fassadensanierung zum Einsatz. Auch statische Herausforderungen mussten gelöst werden. Eine wichtige Rolle spielte die ökologische Qualität: „Durch die thermische Verbesserung, die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen und die Nutzung der Sonnenenergie für die Stromversorgung wurde das Maximum für die historische Bausubstanz erreicht“, erklärt Präsoll. Beheizt wird die Anlage über eine moderne Hackschnitzelanlage.

Lebensqualität 
Ein wesentliches Merkmal des Projekts ist der autofreie Innenhof. Ursprünglich war ein zusätzlicher Neubau vorgesehen. Im Laufe der Planung entschied man sich jedoch bewusst dagegen. Große Flächen wurden entsiegelt und begrünt. Ergänzend stehen den Bewohnerinnen und Bewohnern Gartenbereiche zur Verfügung. Die Mischung unterschiedlicher Wohnungsgrößen ermöglicht zudem eine soziale Durchmischung – von Singles über Paare bis hin zu jungen Familien. „Von Anfang an war erkennbar, dass es den Vertretern von Stift Vorau um die Erhaltung der Atmosphäre des Ensembles und der Bestandssubstanz geht und auch Mehrkosten für eine hochwertige Ausführung in Kauf genommen werden“, resümiert Präsoll. Der ehemalige Gutshof in Peggau ist heute mehr als ein denkmalgeschütztes Gebäude. Er ist ein Beispiel dafür, wie Geschichte, Nachhaltigkeit und modernes Wohnen erfolgreich miteinander verbunden werden können – und wie aus einem sanierungsbedürftigen ein lebendiger Ort für die nächsten Generationen entsteht.

 

Fotos © WERKFORM ARCHITEKTUR
© Marktgemeinde Peggau

Link zur Gemeinde

https://peggau.at

Bürgermeister 

Christoph Pristinger